Was sind Dualseelen?

Wenn Du „Dualseelen“, „Zwillingsflammen“, „Twinflames“, „Soulmates“ oder „Seelenpartner“ schon gegoogelt hast, hast Du bereits eine Menge darüber gelesen, was Dualseelen und Zwillingsflammen und die ganzen Seelenpartner möglicherweise sind und woran man welchen erkennt. Ich erörtere das an dieser Stelle nicht nochmal, denn das „möglicherweise“ schreibe ich nicht ohne Grund (mehr darüber unter Seelenpartner – gibt es sie überhaupt?). Deshalb macht es auch nichts, wenn Du in Sachen Dualseelen und Co. bislang nichts gegoogelt hast. Und noch gar nichts darüber weißt.


Es ist völlig egal, wie Du die ganze Geschichte nennst. Du bist nicht besonders oder auserwählt, nur weil Du diese Begegnung hattest. Und „normale“ Be:ziehungen sind nicht weniger wert, nur weil Du diese Begegnung hattest. Oder sie nicht hattest, sie Dir aber umso sehnlicher wünschst. Du brauchst nicht warten. Und Du brauchst Dich nicht „aufheben“ für (D)einen Seelenpartner oder gar die Dualseele. (Aber wenn Du das tust, ist es Teil Deiner Ent-Wicklung – Dir wird im Zuge Deines Wartens nämlich etwas bewusst werden.)


Dualseelen und Seelenpartner – was ist der Unterschied?


Der Unterschied zwischen einem Seelenpartner und einer Dualseele ist mehr oder weniger gradueller Natur – wenn man davon ausgeht, dass es im Grunde nichts und niemanden gibt, der kein Seelenpartner wäre. Manche unterscheiden auch Dualseelen und Zwillingsflammen – danach sind erstere so verschieden, dass sie einander sozusagen diametral entgegengesetzt sind, letztere gleichen einander wie ein Ei dem anderen. Tatsächlich erscheinen Dualseelen geradezu unvereinbar, sowohl äußerlich als auch charakterlich. Man findet hier oft Partner, die aus völlig verschiedenen Kulturkreisen stammen, einen oft sehr großen Alternsunterschied aufweisen, vom Aussehen her als nicht zusammenpassend erscheinen u.ä. Dasselbe Thema gehen sie mit völlig konträren Strategien an, und des einen Stärken sind des anderen Schwächen und umgekehrt. Witzigerweise ergänzen sich die Duale zugleich ideal, auch im Hinblick auf Dinge, die der eine durch den anderen (kennen)lernen bzw. sich erschließen kann. Bemerkenswert ist, dass sich die Unterschieden - je weiter die Partner in ihrem Prozess voranschreiten - umso mehr auflösen, was mich persönlich zu der potenziellen Erkenntnis gebracht hat, dass Dualseelen gleichsam dasselbe Wasser in unterschiedlichen Gläsern sind.


Bei genauerem Hinsehen stellt sich entsprechend heraus, dass die Beteiligten eines Dualseelenprozesses genauso gleich und genauso verschieden sind wie die Beteiligten eines Zwillingsflammenprozesses. Deshalb benutzen manche "Dualseelenberater" die Begrifflichkeiten synonym oder ordnen sie bestimmten Stadien innerhalb des Prozesses zu. Für mich ist die Unterscheidung nicht so wichtig. Mein Fokus liegt auf dem, was „da ist“, was die Begegnung ausmacht und die Entwicklungen bedingt, die stattfinden. Und das ist, was es ist, und bleibt, was es ist, ganz gleich ob und wie ich es benenne.

Berührung statt Be:ziehung


Dual- und Zwillingsflammen wird nachgesagt, ein gemeinsames Höheres Selbst zu haben und sich eine Seele zu teilen – eine Seele in zwei Körpern zu sein ("dasselbe Wasser in zwei verschiedenen Gläsern"). So wird die enorme Anziehung zwischen den Beteiligten einer solchen Verbindung erklärt. Tatsächlich sind Dual- oder Zwillingsseelen nicht wirklich miteinander ver:bunden, sondern vielmehr zutiefst voneinander berührt, von der ersten Begegnung an (lies dazu gern auch Warum Berührung der Schlüssel ist). Die Berührung ist so intensiv, weil sie anfangs von sämtlichen Anhaftungen, Abhängigkeiten, Reaktionsmustern und Traumata überlagert wird, die die Prozessbeteiligten im Laufe ihres Lebens angehäuft haben. Anfangs kann die Intensität bei einem oder beiden alles andere ausradieren und die „Seelchen“ dazu bringen, verrückte Dinge zu tun. Bisweilen sind sie eine Zeit lang nur glücklich miteinander oder erhalten eine Ahnung davon, wie es wäre, mit einem anderen „nur glücklich“ zu sein. Dieser Zustand hält jedoch nicht lange an – bei manchen kaum mehr als ein paar Stunden oder Tage. Aus dem Glück heraus fallen alle unausweichlich – und dann nimmt der Prozess seinen Lauf.


Dualseelen- und Zwillingsflammen-Prozesse muten im Vergleich zu „normalen“ Seelenpartner-Prozessen wie eine Art „Intensiv-Kurs“ an. Sie können im Turbo-Gang durchlaufen werden, müssen aber nicht. Zeit ist insoweit relativ. Ein Dualseelen- oder Zwillingsflammen-Prozess kann kurz und schmerzvoll oder lang und schmerzvoll sein, sich über anderthalb, drei, fünfzehn oder zwanzig Jahre ziehen oder auch dreißig oder vierzig Jahre dauern. Ende: ungewiss (und vielleicht gibt es auch keins).


Die Dualseelen-Ver:bindung – stirb langsam.


Wenn Du Dich in dem befindest, was als Dualseelen-Prozess bezeichnet wird, lachst Du nach dieser Überschrift und nickst eifrig. (Jedenfalls, wenn Du nicht mehr ganz am Anfang stehst – stehst Du noch ganz am Anfang, findest Du das überhaupt nicht lustig (aber das ändert sich, versprochen ;o) ))


In einer Dualseelen-Ver:bindung geht es ums Leben, ums Lieben und ums Sterben. Die Berührung geht so tief, dass sie das Potenzial hat, alle Verletzungen, alle Blockaden, alle Traumata, alle Glaubenssätze, alle Illusionen, alle Konzepte, alle Glaubenssysteme – kurz: alles, was Dich von Deinem Wilden, authentischen Selbst trennt – aus Dir (her)auszulösen. Was da (her)ausgelöst wird, darf sterben, weil Du es nicht brauchst. Weil es nicht zu Dir gehört. Es darf sterben, weil es verhindert, dass Du Dich in Deiner Vollkommenheit erkennen und l(i)eben kannst. Und glücklich bist. Ohne Abstriche zu machen, neue Abhängigkeiten zu etablieren oder Kompromisse einzugehen. Dadurch löst sich die Ver:bindung (die Ver-bindung – lies dazu wie gesagt gern unter Warum Berührung der Schlüssel ist) tatsächlich auf. Was bleibt ist das, was sich nicht auflösen und nicht trennen lässt: das in Berührung sein und voneinander berührt sein.


Jippiyajeh, Schweinebacke.


Die Krux ist: das (Her)Auslösen dessen, was Dich von dem- oder derjenigen trennt, der/die Du wirklich bist, was Dich trennt von dem, was Du kannst und was Dein Potenzial ist, geschieht dadurch, dass der Dualseelenpartner sämtliche Deiner „Knöpfe“ drückt – einen nach dem anderen, gerne auch mehrere auf einmal – indem er Dich vor den Kopf stößt, Dir auf die Füße tritt und was es sonst noch für hübsche Umschreibungen gibt für Dinge, für die Du „jeden anderen zum Teufel jagen würdest“. Das kannst Du nicht mit Deiner Dualseele. Es geht nicht. Selbst dann nicht, wenn Du Meister des Verschließens und des Rückzugs bist. Kaum denkst Du, Du bist endlich raus aus der Sache, kommt er wieder anmarschiert. Mit irgendwas. Hauptsache, es lässt Deine Themen „hochkommen“. Und weil die Berührung so tief geht, kommen auch die Themen von ganz tief unten. Deshalb ist vor dem Dual auch keiner da ran geraten. Nicht einmal Du selbst. Du kannst Dir lange nicht vorstellen, was die Dualseele, was der Dualseelerich, in Dir entfesselt, im wahrsten Sinne des Wortes. Und was er noch entfesselt, wenn Du schon denkst, dass Du durch alles durch bist. Und er tut das zumeist ohne dass er aktiv etwas tut. Der braucht nur aus seinen Augen kucken und atmen. Das reicht, um Deine Themen zum Fluppen zu bringen. (Funktioniert andersherum aber genauso.)


Und es ist tatsächlich so: Auch wenn Du von Zeit zu Zeit nichts lieber tätest - den Dualseelenpartner kannst du nicht zum Teufel jagen. Du kannst dich nicht von ihm trennen. Du kannst ihn nicht nicht lieben. Du kannst nicht aufhören, den zu lieben, egal, was der anstellt oder nicht anstellt. Denn der hängt in Deinem System. Und der Geht. Nicht. Raus.


Wohin führt ein Dualseelen-Prozess?


Das ist eine gute Frage. Das kommt nämlich darauf an, wo Du hinwillst. Wenn Du Dir „nur“ wünschst, in einer glücklichen Beziehung zu leben (hahaha, schau Dir zum Thema Be:ziehung den Artikel Warum Berührung der Schlüssel ist an), kann es sein, dass Dich Dein Dualseelen-Prozess in genau so eine führt (die ist dann aber keine Be:ziehung, sondern besteht im besagten In-Berührung-Sein). Dein Partner wird nicht zwingend die Dualseele sein, aber möglicherweise.


Nach meiner Erfahrung lassen sich Dualseelen-„Verbindungen“ nicht in herkömmliche Beziehungskonzepte pressen. Denn Berührung ist frei – je mehr eine Beziehung aber Be:ziehung ist (aufgrund der Projektion), desto mehr ist sie das nicht: frei (ich weiß, ich wiederhole mich, aber lies Warum Berührung der Schlüssel ist). Gleiches gilt für „Partnerschaft“. Auch Dualseelen und Zwillingsflammen bewegen sich auf dem schmalen Grat zwischen Be:ziehung und Ver:bindung, Berührung und Mitsein, aber je näher sie Be:ziehung und Ver:bindung sind, desto weniger können sie ertragen, was sie tun. Desto massiver werden die Trigger, desto größer wird die Abstoßung innerhalb der Anziehung, desto ambivalenter fühlt sich die Verbindung an und desto größer ist der ausgelöste Schmerz – auf beiden Seiten. Das kann so weit gehen, dass die Beteiligten nicht fähig sind, es längere Zeit in der physischen Nähe des anderen auszuhalten, obwohl gar nicht ist und keiner irgendetwas tut und die Liebe so anwesend ist. Auf Distanz sind sich die Duale nahe, in der Nähe kommen sie nicht aneinander ran.


Je näher sich Dualseelen allerdings in Richtung des Mitseins entwickeln, desto mehr gelingt das – unabhängig davon, ob sich die Beteiligten (miteinander oder mit Dritten) in einer Be:ziehung befinden, in der Nähe des anderen wohnen, irgendwelche Aktivitäten teilen, sich austauschen oder nicht. Das Mit(einander)sein von Dualseelen findet von ganz allein in seine ganz eigene, individuelle, einzigartige Form. Eine der Herausforderungen für beide Beteiligte ist, diese Form so wie sie ist zuzulassen und anzunehmen.


Wenn Du das Beziehungsthema loslassen und Dich auf das berührende Mitsein mit Deiner Dualseele einlassen kannst, kann Dich ein Dualseelen-Prozess über alles, was Du kennst und Dir im Augenblick vorstellen kannst, hinaus führen. Und das auf Ebenen, deren Existenz Du Dir gar nicht träumen lassen kannst und unabhängig davon, ob Dein Dualseelenpartner „mitgeht“ oder „mitmacht“ oder nicht.


Müssen sich beide Dualseelen-Partner aktiv in den Prozess einbringen?


Nein, müssen sie nicht. Wo Be:ziehung unfrei ist, wo auch Partnerschaft unfrei ist, ist berührendes Mitsein frei. Der Prozess als solcher „funktioniert“ auch isoliert (wenn auch nicht ohne Dein Zutun!), er funktioniert selbst dann, wenn sich Dein Gegenüber seinem Prozess verweigert oder gar nichts davon weiß, und er funktioniert für Dich auch, wenn Dein Gegenüber entscheidet, die Verbindung mit Dir für sich nicht auszuloten. „Nicht so tief in den Prozess hineinzugehen“, aus welchen Gründen auch immer. Oder das unabhängig von Dir zu tut. Was er oder sie tut oder nicht tut, spielt für Dich keine Rolle, weil es in Sachen Mitsein immer und zu allererst um Deine Anbindung an Dich selbst geht. Die Dualseele wirft Dich wieder und wieder und wieder auf Dich selbst zurück, bis Du diese Anbindung zu Dir hast. Dich in all Deinem Be:zogensein und all Deinen Ver:bindungen erkennst, aufhörst, Dich und andere zu be-trachten, zu benutzen und benutzen zu lassen und bis Du die Prinzipien des Eins-Seins und des Eins Seins im Sein durchstiegen hast, für Dich (ein)stehst und zu Dir.


Wenn Du an diesem Punkt bist, weißt Du, was ich meine. Solange Du an diesem Punkt nicht bist: mach Dir keinen Kopf. Vertraue dem Prozess. Überlass Dich dem Prozess. Geh mit dem Prozess. Und vertraue Deiner Dualseele. Vertraue Dir. Du kannst keine Fehler machen.


(Und wenn Du nicht weißt, wie Du das anstellen sollst: melde Dich.)

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