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Baby & Kind

Wenn Dich ein Thema auf diese Seite geführt hat, das in irgendeiner Weise Babys und Kinder betrifft, dann bist Du hier sowohl richtig, wenn es um Deine eigenen Kinder geht, als auch, wenn Du mit Babys und/oder Kindern (und/oder Eltern) arbeitest. Es spielt dabei keine Rolle, ob Du „nur“ nach Möglichkeiten suchst, Deinen „kleinen Leuten“ das Beste mitzugeben, damit sie gut wachsen und sich entfalten können oder ob Du in Sachen Baby und Kind mit Schwierigkeiten und Problemen kämpfst – die breit gefächert sein können, auf Seiten der Kinder und auf Seiten der Eltern.

Ganz gleich, worum es Dir geht: ich arbeite zumeist nicht direkt mit (D)einem Baby oder (Deinen) Kindern – ich arbeite eher mittelbar mit ihnen durch Dich (bzw. ich gebe das entsprechende Knowhow an Dich weiter, wenn Du selbst mit Babys/Kindern und/oder Eltern arbeitest). Der Grund dafür ist, dass Du die (Haupt-)Bezugsperson bist, also die Person, an die das jeweilige Kind gebunden ist. Das Organ, das diese Gebundenheit manifestiert oder „herstellt“, ist euer beiderseitiges Nervensystem. Ihr seid über Eure Sinne, Eure Empfindungen und Gedanken miteinander in Berührung – und je bewusster Dir das ist und je ausgeprägter Dein Bewusstsein für Ausmaß und Tiefe der Berührung (und ihrer Folgen) ist, desto bereichernder, förderlicher und „besser“ wird sich Eurer Mit(einander)sein gestalten (lassen) – und desto positiver sind die mittelbaren und unmittelbaren Auswirkungen auf das jeweilige Kind, kurz-, mittel- und langfristig.

Baby & Kind: wenn eine Binsenweisheit

neue Perspektiven eröffnet

Zugegeben, es ist eine Binsenweisheit: Babys und Kinder brauchen …, ich schreibe an dieser Stelle nicht, was wir alle wissen. Ich konzentriere mich auf das, was den meisten von uns nicht bewusst ist: dass im Wissen um die Funktionsweise unseres Nervensystems als Berührungs-Organ ein „Missing Link“ verborgen liegt, der in allem zum Tragen kommt, was wir unseren Kindern angedeihen lassen – in positiver wie in negativer Weise. Es geht dabei nicht um Dinge, die wir (oder Eltern allgemein) bewusst tun. Es geht vielmehr um das, was wir "tun", ohne es zu wissen oder überhaupt zu bemerken – weil wir es eben nicht merken und weil wir es nicht nicht tun können (ob wir wollen oder nicht).

Vor allem Babys und Kinder, die „schwierig“ erscheinen, die „Störungen“ entwickeln oder auch nur Auffälligkeiten, sind sehr oft Kinder, die Wunden zeigen, die gar nicht ihre sind. Wunden, die sie sprichwörtlich „heruntergeladen“ haben, weil sich unser Nervensystem nunmal so entwickelt, wie es sich entwickelt: in Anpassung an die Bedingungen, die es umgeben, von der 6. Schwangerschaftswoche an. Unser Nervensystem wächst dabei regelrecht an anderen Nervensystemen entlang, wie an einem Spalier. Und was das Spalier nicht kann, kann das „kleine“ wachsende Nervensystem nicht „herunterladen“. Dieses „Herunterladen“ hat mit etwas zu tun, was sich Co-Regulation nennt.

Baby & Kind: was ist "Co-Regulation"?

Stell dir vor, Dein Kind ist wütend, traurig, frustriert, überschäumend freudig aufgeregt oder sonst etwas. Es fühlt etwas sehr intensiv und bringt das zum Ausdruck, indem es das, was es fühlt, „ausagiert“. Dein Kind tut das, weil es von dem, was es fühlt, überfordert ist – es ist innerlich sozusagen „außer Rand und Band“ und außer Stande, das Gefühl zu „beherrschen“. Deshalb „beherrscht“ es auch sein Verhalten nicht. Aber nicht, weil es nicht will, sondern weil es nicht kann. Sein Nervensystem verfügt nicht über die dafür erforderlichen Kapazitäten und Fähigkeiten.

Das Ausmaß dieser Kapazitäten und Fähigkeiten kann altersbedingt sein. Bei Babys und sehr kleinen Kindern sind sie erst noch in der Entwicklung – das Nervensystem wächst und bildet Nervenzellen und "Datenautobahnen", die vorher nicht da waren. WENN dieses Wachstum von außen angeregt wird. Geschieht das nicht oder unzureichend, können auch ältere Kinder (und sogar Erwachsene) „nicht altersgemäß“ reagieren – nicht, weil sie nicht wollen, sondern weil sie (ich weiß, ich wiederhole mich) nicht können. Sie sind überfordert damit, das eigene Erleben zu regulieren (das ist die sogenannte Selbstregulation). Das Gemeine: man kann das nicht „bewusst können“ – man kann nicht entscheiden „so, ich mache das jetzt“. Das ist so, weil sich unser Wille nicht auf diese Fähigkeiten erstreckt (Stichwort autonomes Nervensystem). Unsere fabelhafte Großhirnrinde kann hier zwar irgendwann einiges auffangen – wir können lernen, uns intellektuell zu beherrschen – das ist aber keine Selbstregulation, sondern eine Anpassung. Eine Anpassung zumal mit vielen ungesunden Nebenwirkungen, die wiederum auf uns genauso wirken wie auf unsere Kinder, wiederum ob wir wollen oder nicht.

Kinder verfügen aufgrund ihrer alters- oder umgebungsbedingten Unreife nicht über die Fähigkeit zur Selbstregulation, deshalb beruhigen sich kleine Leute auch nicht von allein. Sie können es nicht, weil sie die nervlichen Voraussetzungen dafür nicht haben. Sie sind darauf angewiesen, dass ihre Bezugspersonen über diese nervlichen Voraussetzungen verfügen. Daher kommt der Rat, als Eltern „ruhig und besonnen“ zu bleiben, wenn das Kind frei dreht. Kann die Bezugsperson ruhig und besonnen bleiben, „überträgt“ sich diese Ruhe im Zuge der Co-Regulation auf das Kind.

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Nochmal gemein ist allerdings, dass sich nicht die „Beherrschung“ überträgt, sondern das, was wirklich in uns ist (das, was wir ggf. zu beherrschen versuchen und deshalb unterdrücken, das, womit unser Kind wirklich in Berührung kommt infolge der somatischen (autonomen) Kommunikation der Nervensysteme). Co-Regulation beruht auf dieser somatischen Kommunikation, die wir nicht willentlich beeinflussen können (da von unserem autonomen Nervensystem "gemacht"). Man co-reguliert ein Kind immer nur in Bezug auf das, was wirklich in einem ist, man co-reguliert nicht in Bezug auf das, was man vorgibt zu fühlen oder das, was man gerne hätte, dass das Kind fühlen soll (oder nicht mehr fühlen soll). Bist Du selber genervt, überfordert, erschrocken, frustriert oder was auch immer, regulierst Du das sprichwörtlich ins Kind hinein – und gleichzeitig Deine entsprechenden Reaktionsmuster (die sich in Deinem Verhalten ausdrücken, Deiner Mimik, Deiner Atmung, Deiner Stimmlage, Deinem Seufzen, Deinen Bewegungen ...), die die Befindlichkeit des Kindes ihrerseits beeinflussen. Das geschieht auch dann, wenn Du das gar nicht willst, wenn Du Dich perfekt beherrschst und auch, wenn Du gar nicht merkst, was tatsächlich abgeht. Und Du kannst nichts dagegen tun. Außer: Du fängst an, an Deinen eigenen Fähigkeiten und Kapazitäten zur Selbstregulation zu arbeiten (was allerdings etwas völlig anderes ist als „Dich beherrschen“).

Der "Trick": DEINE Selbstregulation verbessern

Es ist ziemlich populär geworden, Eltern ganz offen oder durch die Hintertür die „Schuld“ daran zu geben, dass Kinder scheinbar immer auffälliger werden. Der schrille Witz daran ist, dass die vermeintlich „unauffälligen“ Kinder vielfach genauso auffällig sind – nur eben in anderer, zumeist sozial akzeptierterer Weise. Unauffällige Kinder „funktionieren“, aber nur weil sie funktionieren, bedeutet das nicht, dass bei ihnen alles in Ordnung ist. Das Gegenteil kann der Fall sein – und dem Betroffenen nicht selten erst im Erwachsenenalter bewusst werden. Gerne dann, wenn der oder die Betroffene beim eigenen Kind die eigenen (einstigen oder noch immer bestehenden) "Schwierigkeiten", "Eigenschaften" oder "Eigenheiten" wiedererkennt. Mit Genetik hat das tatsächlich nicht viel zu tun, wenn man mal davon absieht, dass sich „Verletzlichkeit“ oder Sensitivität vererben kann.

Was Deine Lebensumstände aufgrund Deiner Sensitivität mit Dir gemacht haben, bestimmt das Ausmaß Deiner Fähigkeiten und Kapazitäten zur Selbstregulation – bestimmt also, wie Du auf Stress reagierst und wie Dein autonomes Nervensystem damit umgeht (ganz egal, wie gut zu Dich beherrschen kannst). Das ist das „Spalier“, an dem das Nervensystem Deines Kindes wächst, das, was Dein Kind infolge von Co-Regulation aus Deiner Biografie „herunterlädt“ – unabhängig von jeder kognitiven Stimulation, unabhängig von jedem Angebot zu „Frühförderung“ und auch unabhängig von Deinem finanziellen und Deinem Bildungshintergrund. Dein Kind erbt Deine Traumata, so wie Du die Traumata Deiner Eltern und diese die Traumata ihrer Eltern geerbt haben. Wenn Du an dieser Stelle sagst: „aber Judith, ich habe in meinem Leben nie etwas ‚Schlimmes‘ erlebt, und ich gehöre zu denen, die eine glückliche Kindheit hatten“, schau vielleicht noch in meinen Artikel Trauma ist nicht, was du denkst. Über das Thema Trauma informiert zu sein, ist insbesondere wichtig, wenn Dein Kind Schwierigkeiten hat oder „macht“.

Tatsächlich kannst Du eine Menge für eine Vielzahl der Vorteile und der Nachteile, die Dein Kind aufgrund seines individuellen So-Seins hat – auch, wenn nichts davon Deine (oder seine) „Schuld“ ist. Und ganz gleich, womit Dein Kind (oder Du) vielleicht kämpft: die bestmögliche Unterstützung bist Du ihm, wenn Du mit Dir bewusst in Berührung bist (darauf basiert Selbstregulation). Es genügt nicht, „am Kind zu schrauben“, wenn Du unter allen Schichten (unter aller Selbstbeherrschung und Fürsorge) genauso – oder sogar mehr – Unterstützung brauchst. Um es ein bisschen spirituell auszudrücken: So manches Kind wird uns geschenkt, damit wir für uns selbst endlich tun, was wir längst hätten tun (und lernen) sollen – denn was wir in uns selbst heilen, „ganz machen“, heilt zu einem großen Teil automatisch auch in denen um uns herum, heilt automatisch in denen, mit denen wir in Berührung sind, weil sie uns und wir sie berühren. Auf unsere Kinder trifft das in besonderem Maße zu – umso mehr, je jünger sie sind, insgesamt aber bis ins frühe Erwachsenenalter hinein.

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Was kannst Du tun?

Das Beste, was Du für Dein Kind oder Deine Kinder (ganz egal wie alt) tun kannst, ist, das Beste für Dich zu tun. Das Beste für Dich ist, für Dich zu sorgen. Das bedeutet nicht, dass Du Deine Lieben mehr oder weniger vernächlässigen sollst. Du sollst (oder darfst) mit Dir selbst aber genauso empathisch und einfühlsam sein, wie Du es für Deine Kinder sein möchtest. Selbstempathie ist die Voraussetzung dafür, dass wir mit anderen - allen voran unseren Kindern - empathisch sein können.

Selbstempathie hat viel mit der Fähigkeit zu tun, sich selbst zu spüren und zu fühlen. Es hat außerdem mit dem Ausmaß der Kapazitäten zu tun, die uns dafür zur Verfügung stehen. Bei den allermeisten Menschen sind diese Kapazitäten weitaus weniger gut ausgeprägt, als sie glauben. Begründet liegt das in den Traumata, die wir mit uns herumtragen, vielfach ohne uns dessen bewusst zu sein.

Das erste Beste, was Du deshalb für Dich tun kannst, ist, Dich mit dem Thema Trauma auseinanderzusetzen. Es hat mehr mit Biologie als mit Psychologie zu tun. Das entsprechende Hintergrundwissen nebst einer Einführung die Selbstempathie mithilfe der Gewaltfreien Kommunikation und zahlreichen praktischen Übungen ist in meinem Online-Kurs PLUS Trauma-Edukation enthalten. Ich biete dazu auch ein Seminar an. Außerdem stehe ich Dir gern persönlich für Fragen oder ein Coaching zur Verfügung. Du kannst mich anrufen, mir e-mailen oder mit mir chatten. Ergänzend biete ich Anleitung und Weiterbildung im Bereich vorsprachliche Kommunikation mit Babys an. Mit all meinen Programmen bin ich übrigens auch im Fachkräfte-Netzwerk des DRK Fürstenberg/Havel vertreten.