Frieden ist Freedom – nicht Peace

Updated: Jun 18

Frieden ist Freedom? Ist das nicht ein Übersetzungsfehler? Die überraschende Antwort lautet: nein. Ganz und gar nicht. Und was noch viel überraschender ist: Peace hat mit Frieden nicht das Geringste zu tun. Woher wir das wissen? Von den Worten selbst. Und sie offenbaren ihre Geheimnisse in ihren Namen.

Schauen wir uns zunächst an, wofür Frieden steht und was es bedeutet. Im Duden wurde da allerhand zusammengetragen, was sich kurz in „Zustand der Ruhe und Harmonie“ zusammenfassen lässt. Außerdem steht da etwas von „Geborgenheit in Gott“ und „inner- und zwischenstaatlichem Zusammenleben“, doch dazu später. Interessant am Wort „Frieden“ ist, dass es seinem lautlichen Ursprung sehr nahe steht, trotz „Sprachentwicklung“, Rechtschreibreformen und dichterischen Abwandlungen. Entsprechungen lassen sich in zahllosen Sprachen finden, fridr etwa oder vrid oder frip … .

Ein Wunder ist das nicht, denn Fried-Wörter teilen sich eine gemeinsame Wurzel. Und die geht interessanterweise auf frei zurück. Erst seit jüngerer Zeit besitzt „frei“ die Bedeutung von „unabhängig“ und „unbeschränkt“. In früheren Zeiten verstand man unter „frei“ alles, was im weitesten Sinne mit „(jemandem) lieb (sein)“ zu tun hatte. Noch heute kennen wir Worte wie „freien“ oder „Freier“, wenn auch in Zusammenhängen, die mehr mit Prostitution als mit wahrer Liebe zu tun haben. Einander lieb sein hatte einst eher nichts mit ausschweifenden Sex-Orgien zu tun, sonst wäre man nicht auf die Idee gekommen, ausgerechnet den Verlust des sexuellen Begehrens mit „frig-“ in Zusammenhang zu bringen, etwa in „frigide“ und „Frigidität“.


Worte wie Liebe, freien, frei, Feier und frigide gehen alle auf Frigg/Freya und Freyr zurück, jene „keltisch-germanischen Gottheiten“, die mit Liebe, Fruchtbarkeit und Jagd in Zusammenhang gebracht werden. Im Rahmen des kulturellen und spirituellen Raubzuges, mit dem man unsere Vorfahren zivilisiert, christianisiert und aufgeklärt hat, muss es nur zu praktisch erschienen sein, die Fülle in ihrer ganzen Güte, Freigiebigkeit und Reinheit und damit auch in ihrem Wert umzudeuten und zu pervertieren. Ich gehe dem an dieser Stelle nicht weiter nach, aber halten wir fest, dass lieb einst schlicht und ergreifend nichts anderes bedeutete, als dass einem etwas lieb war, dass man es mochte, sich daran erfreute, es empfing, schützte und schonte, ihm beistand und ihm „lieb gesinnt“ war, also nichts Schlechtes von ihm dachte oder dergleichen unterstellte. Genau das deckt sich mit der Bedeutung von frei und damit auch mit jener, die allen Fried-Wörtern zugrunde liegt. Es muss uns nicht wundern, dass und warum im Frieden alles wächst, gedeiht und überfließt. Es kann nicht anders, wenn es jemandem – speziell den Menschen – lieb ist.


Frieden = Freedom


Jetzt erklärt sich, warum „Frie“ und „Free“ nicht nur gleich klingen, sondern auch dasselbe meinen, zumal man das Wort „frei“ erhält, wenn man das „ie“ in „Frie“ bloß umdreht. „Frei“ sind die, mit denen man in Frieden lebt, weil sie einem lieb sind (und denen man selber ebenso lieb ist). Man kann sie in Ruhe lassen und in Ruhe lassen, „lassen“ also auch in der Bedeutung von sein lassen, sie so sein lassen, wie sie sind (denn genauso sind sie einem lieb). Man kann ihnen trauen. Man hat keinen Grund, sie einzuschränken oder zu reglementieren. Und genauso ist es andersherum, in Bezug auf uns. Man traut uns, lässt uns sein wie wir sind (weil wir (ihnen) lieb sind) und schränkt uns nicht ein. Und wenn all das ist, dann istFrieden – eben jener Zustand der Ruhe und Harmonie, den wir im Duden wiederfinden. Und der durchaus so etwas ist wie „Geborgenheit in Gott“, in „Great Spirit“ oder wie immer man es nennen will.


In diesem Zusammenhang – dem „Geborgensein in Gott“ oder wie immer man es nennen will – ist auch der zweite Teil der Worte Freedom und Frieden interessant. Denn „Dom“ beschreibt für sich genommen im Deutschen ein besonderes Haus, ein sehr großes besonderes Haus, das sehr besonderen, heiligen Dingen dient. Auch hier begegnen wir zwar hinter den Kulissen mannigfaltigen Verdrehungen, aber lassen wir auch diese hier außen vor. Im Russischen ist „Dom“ (Дом) das ganz normale Haus, „Doma“ (Дома) das Zuhause. Von -dom zu -den ist es auch nur ein Katzensprung, denn „the den“ ist im Englischen eines der Worte für „die Höhle“ – den Bau bzw. das Versteck. Damit erklärt sich, woher in Bezug auf Frieden das „Geborgensein in Gott“ kommt: „Gott“ ist der „Dom“, „das Haus“, in dem wir frei sein gelassen werden, weil wir da jemandem (Gott) lieb sind.


Was das Russische betrifft, so ist in diesem Zusammenhang das Wort für die Welt bemerkenswert. Wie das Deutsche kennt auch das Russische kein „Peace-ähnliches“ Wort für Frieden. Sondern: dasselbe Wort, das im Russischen für die Welt steht: „Mir“ (Мир). Und die Welt – Мир – ist? Genau: ein Den, ein Dom, ein Bau, ein großes, besonderes und besonders geschütztes Haus, in dem alles jemandem lieb ist und sein gelassen wird und das heiligen Dingen dient, die selbst die „Spirituellsten“ unter uns nicht einmal im Ansatz ermessen und begreifen. Und da jeder von uns auch die Welt ist (und nicht etwas nur „Teil“ davon), ist auch unser Körper die Welt – ist unser Geist Gott – so wie der berühmte Tropfen nicht nur „Teil“ des Ozeans ist, sondern eben der Ozean selbst. Das „Haus“, in dem wir frei sein gelassen werden, weil dort jemandem lieb sind, sind wir selber. In allem, was uns ausmacht, in unserem ganzen Sein. Das erklärt, warum Frieden sehr viel mehr ist als ein „philosophisches Konzept“. Frieden hat eine somatische, körperliche Ebene, die wir berücksichtigen müssen, wenn wir Frieden haben wollen – in uns, um uns herum und in der Welt. Ich komme darauf unten nochmal zurück und auch in einer Fortsetzung zu diesem Artikel.


Warum hat Frieden nun mit „Peace“ gar nichts zu tun?


Auch das verraten die Worte. Das Wort „Peace“ wurde aus dem Lateinischen „Pacem“ („Pax“) abgeleitet, um einen Ersatz für das Altenglische Wort frid zu kreieren. Warum man das wollte? Das mag aus der Geschichte vom Turmbau zu Babel hervorgehen. Da sollen ein „Gott“ oder irgendwelche „Götter“ gemeint haben, „lasst uns die Sprache der Menschen verwirren, damit sie einander nicht mehr verstehen“. Ganz nach dem Motto „teile und herrsche“. Viele Menschen erkennen bis heute nicht, dass sie eine Sprache sprechen. Dass alle Worte nur Synonyme sind. Aber zurück zum Thema.


Interessanterweise steckt in „Pax“ das lateinische „Pactum“, das „Vertrag“ bedeutet. Alle Worte, die darauf zurückgehen – wie Pace, Paz, Paix, Peace und andere – basieren damit nicht auf dem, woraus Frieden besteht – eben dem einander-lieb-sein / einander-frei-sein. Sie basieren auf dem, was ein Vertrag ist. Und ein Vertrag ist?


Genau, eine Ansammlung von Reglementierungen. Die man gerade nicht braucht, wenn man die, die mit einem sind, in Ruhe sein lassen kann und von ihnen in Ruhe sein gelassen wird. Kann man das nicht, sind einem die, die mit einem sind, nicht lieb. Und man selber ist ihnen auch nicht lieb. Und damit auch nicht frei. Denn alle sind in irgendeiner Form reglementiert – einem Vertrag unterworfen. Damit wenigstens „so etwas wie“ Frieden herrscht.


Wenn Du jetzt denkst, Frieden herrscht nicht, liegst Du ganz richtig. Frieden kann gar nicht herrschen, weil er „da“ ist, sobald er ist. Ohne alles. Einfach so, nur weil die Menschen einander lieb sind, einander sein lassen und damit unausweichlich und unvermeidbar frei sind.


So etwas wie Frieden


Worte wie Peace, Paix, Pace, Paz etc. beschreiben „so etwas ähnliches wie Frieden“, weil sich so etwas ähnliches wie Frieden aus Vertrag ergeben kann. Genau das versteht man unter friedlich. -lich-Wörter – wie friedlich, gelblich, freundlich und andere – haben es in sich. Denn was -lich ist, ist nicht, was es wäre, wenn es nicht -lich wäre. Ein gelbliches Zimmer etwa ist nicht gelb, ein freundlicher Mensch noch lange kein Freund. Eine friedliche Koexistenz ist eine Co-Existenz, die nur friedlich ist, so wie Frieden. Der Eindruck ist geborgt, ein Anschein – aber genau genommen nur eine Fassade, eine Illusion. Oberflächlich. Was unter der Oberfläche brodelt, merkt und sieht ja keiner. Der Unterschied zu echtem, wahren Frieden ist mehr als offensichtlich.


Endet der Vertrag, ist die friedliche Koexistenz futsch. Menschen, die wissen, dass Frieden von ganz anderen Dingen abhängt, haben ihn dann trotzdem. Und nicht zuletzt kann Frieden sogar die logische Folge sein, wenn man aufhört, sich womit auch immer zu ver-tragen.


Der Pax, der Peace und der Pazifismus


Der Pazifismus erscheint vor dem Hintergrund des bis hierhin Gesagten in einem ganz neuen Licht. Das Wort „Pazifismus“ gibt es seit etwa 1900. Es soll „Friedensliebe“ bedeuten, wenn man aber berücksichtigt, dass in Paz-ifismus das portugiesische Wort „Paz“ und damit auch ein „so etwas wie Frieden durch Vertrag“ steckt (und eben nicht Frieden!), kommt man leicht zu dem Schluss, dass „Pazifismus“ eher bedeutet „Liebe zum Vertrag“. Das Wort „Liebe“ macht hier nur Sinn, wenn man im Hinterkopf hat, dass sich im zwischenmenschlichen Bereich „so etwas wie Liebe“ aus emotionaler Abhängigkeit bzw. emotionaler Co-Abhängigkeit ergeben kann. „Pazifismus“ lässt sich damit durchaus mit „Abhängigkeit vom Vertrag“ übersetzen.


Wenn man anfangs unter „Pazifismus“ eine „auf friedliche Verständigung der Völker gerichtete Politik“ verstand, muss man das ehrlicherweise in eine „auf friedliche Ver-Tragung der Völker gerichtete Politik“ umdeuten. Noch interessanter wird es, wenn man erfährt, dass der Pazifismus in den 1920er Jahren zu einer politischen Strömung wurde. Ihre Anhänger geben bis heute vor, den Frieden so sehr zu lieben, dass sie für „Frieden um jeden Preis“ eintreten. Was den wenigsten „Pazifisten“ bewusst ist: sie machen sich für „Vertrag um jeden Preis“ stark, damit „so etwas wie Frieden“ in der Welt „herrschen“ kann.


Dass es sich bei einer solchen Ideologie nicht um „Friedensliebe“ handeln kann, wird deutlich, wenn man sich vor Augen führt, womit sie bereit sind zu bezahlen, um ihren Vertrag um jeden Preis zu bekommen: im Zweifel mit dem Frieden selber. Dem echten, dem wahren. Dem, der einfach ist, weil man die Dinge sein lassen kann, weil die Menschen einander lieb und teuer sind.


Pazifismus: abhängig um jeden Preis


Jetzt wissen wir, warum immer alle „für Frieden“ kämpfen: sie führen Krieg, um Verträge zu bekommen. Weil sie sich nicht sicher fühlen, solange sie die Verträge nicht haben. Bedeutet zugleich: niemand ist ihnen lieb – und sie selber glauben ihrerseits, niemandem lieb zu sein. Sie wissen nicht, dass sie sich in solch einem Glauben nie sicher fühlen werden, solange sie den Frieden nicht begreifen und zwar auf allen seinen Ebenen, gerade auch der somatischen,der körperlichen. Sie wissen nicht, dass alles, was sie tun, nur ihre Illusionen nährt und ihre Abhängigkeit noch weiter wachsen lässt.


Haben wir es hier mit der Entlarvung der auf „friedliche Ver-Tragung“ gerichteten Politik zu tun? Fast scheint es so. Und die, die mit dem Peace-Zeichen bewaffnet so leidenschaftlich für Verträge kämpfen, scheinen mit besten Absichten ziemlich in die Irre zu gehen. Denn „sich etwas er-kämpfen“ bedeutet „es sich durch Kämpfen aneignen“. Kann man sich Frieden dadurch aneignen, dass man kämpft?

„Peace“ – der Pakt, der Irrtum – „der den Frieden kostet“


Ich weiß, ich habe eine Schwäche für Wortklauberei. Aber Moshé Feldenkrais, der Begründer der nach ihm benannten Methode „Bewusstheit durch Bewegung“, sagte einmal


„Wie willst du wissen, was du willst, wenn du nicht weißt, was du tust?“


Genauso ist es. Und dafür gibt es sogar ein Symbol: das „Peace-Zeichen“. Es zeigt ausgerechnet die uralte Rune, die gerade für den Irrtum steht: die Yr- oder Irr-Rune, es gibt mehrere Schreibweisen. Die Rune findet sich im „neueren Futhark“, das älter ist als das bekanntere „ältere Futhark“. Beinahe bietet sich das Peace-Zeichen gleichsam als das „Mal-Zeichen“ des Irrenden an. Oder vielleicht auch als „Mahn-Zeichen“ …


Die Yr-Rune hat einen „gegenteiligen Zwilling“: die Man-Rune. Diese Rune steht mit „Man“ für „Mensch“ und damit für alles, was den (ge)rechten, richtigen und heiligen (heilenden) Weg der Menschlichkeit beschreibt: die Liebe, den Leib, den Frieden, das Freisein, die Anbindung an „das Göttliche“ („Geborgenheit in Gott“) usf. – alles also, was die Welt, Мир, den Frieden und den Menschen – ausmacht.

Man-, Yr- und Hagal-Rune

Beide – Yr- und Man-Rune zusammen – manifestieren sich in Hagal – „hug all“ – in der Bedeutung des „All-Umarmenden“, des (alles) Umfassenden, des All-Eins. Das graphische Muster, das die Hagal-Rune zeigt, wurde in unzählige okkulte Symbole übernommen, im Satanismus mit dem Ziel, die „göttliche Einheit“ zu hacken und den Bock („Baphomet“) zum Gärtner („Gott“) zu machen. Deswegen wird „Gott“ bisweilen „Schöpfer“ genannt: Denn wenn der Bock der Gärtner ist, frisst er bekanntlich alles kahl, indem er alles ab-schöpft, was an Fressbarem da ist. Der wahre „Gott“ – als „Great Spirit“, „die Welt“ etc. – kann kein Schöpfer sein, weil er erschafft, sich bzw. der Welt durch Schaffen (Erschaffen) aneignet (und eben nicht durch schöpfen). Wer schöpft, kann das nur, wenn und weil schon etwas da ist, und es ist nur dann etwas da, wenn und weil es zuvor geschaffen wurde. Ein Schöpfer schöpft also ab, im Zweifel eben, bis alles ausgeschöpft und der Ausgeschöpfte er-schöpft ist (Er-schöpfung = jemand (anderes) hat sich durch Schöpfen alles angeeignet, was (ab) zu schöpfen war). Schöpfen ist nicht Erschaffen.


In dem Lakota-Wort „Washitshun“ für „die Weißen“ findet sich das Thema wieder: „Washitshun“ bedeutet „die den Rahm abschöpfen“, „die sich das Beste nehmen“. Alles Erschaffene als „Schöpfung“ zu bezeichnen, ist für mich daher gleichbedeutend damit, es dem vollständigen Verbrauch zu unterwerfen – bis nichts mehr da ist. Und ja, richtig, das ist das, was wir in der Welt sehen (was aber eben nicht „die Menschen“ machen!) und was „Satanismus“ genannt wird, und es ist das, was als Markenzeichen hat, alles auf den Kopf zu stellen. Einschließlich dem, was als göttlich-menschlich gedacht ist und mit einer kleinen Drehung um 180 Grad in einen einzigen Irrtum verwandelt werden kann: der Mensch in dem, was ihn dazu begabt, befähigt und beschützt, das Beste zu tun, was je auf Erden getan werden kann: er-schaffen.


Und aus der Mitte entspringt der Frieden


Auch Frieden erschaffen wir. Aber nicht durch Verträge. Womit wir auf den angesprochenen somatischen – körperlichen – Aspekt des Friedens zu sprechen kommen. Frieden wird uns, wenn wir ihn lassen. So einfach, wie das klingt, ist es allerdings nicht, denn wir müssen das, was von allein geschehen soll, von allein geschehen lassen können. Das Können meine ich wörtlich, denn es handelt sich dabei um eine Fähigkeit. Und als solche muss sie sich herausbilden, muss wachsen und reifen. Das tut sie aber nur, wenn wir in Frieden sind, während wir wachsen.


Ob wir in Frieden sind, während wir wachsen, hängt nicht von uns selbst ab, sondern von allen und allem, was uns in dieser Wachstumszeit umgibt. Je jünger wir sind, umso mehr und umso stärker. Denn uns fehlen – je jünger wir sind, umso mehr – die nervlichen Voraussetzungen, die ermöglichen, dass das, was von allein geschehen soll, sobald wir erwachsen sind, dann tatsächlich auch so geschieht. Das wird „Selbstregulation“ genannt und ist nicht willentlich steuerbar, da es der Regie unseres autonomen Nervensystems unterliegt (dasjenige, das beispielsweise auch unsere Organfunktionen steuert, unseren Hormonaushalt, die Körpertemperatur etc.). Je jünger wir sind, desto unvollständiger ist dieses autonome Nervensystem und desto mehr Fähigkeiten und Funktionen fehlen ihm. Die Selbstregulation gehört zu den Fähigkeiten und Funktionen, die uns anfangs gar nicht und im Laufe der Zeit erst nach und nach zur Verfügung stehen. Wir brauchen als Kinder deshalb immer einen Erwachsenen an unserer Seite, wenn wir in Stress geraten sind. Von diesem Erwachsenen „borgen“ wir uns jene Fähigkeiten des Nervensystems, über die wir selber noch nicht verfügen – wenn (!) dieser Erwachsene selber über eine gute Selbstregulationsfähigkeit verfügt. Tut er das nicht, weil er in der Situation z.B. selber Stress, Sorgen, überschießende Emotionen o.ä. hat oder sogar – erkannt oder unerkannt – Traumata mit sich herumschleppt (mehr dazu unter Trauma ist nicht, was Du denkst) oder haben wir solch einen Erwachsenen gar nicht, bleibt der Stress, den wir erleben, sprichwörtlich in uns – in unserem autonomen Nervensystem – stecken. Wir werden dann „groß“, erlangen nervensystemtechnisch aber nicht die (autonome!) Selbstregulationsfähigkeit, die sozusagen „von der Natur“ für uns vorgesehen ist.


In größerem oder kleinerem Ausmaß ist das bei (fast) jedem von uns passiert. Was bedeutet, dass (so gut wie) jeder Mensch – vor allem in der „westlichen“ Welt – eine mehr oder weniger limitierte Selbstregulationsfähigkeit besitzt. Und je nach dem, wie ausgeprägt diese Limitierung ist, desto weniger leicht (bis gar nicht) geschieht das, was von allein geschehen soll, von allein. Wir „lernen“ damit umzugehen, entwickeln aber zumeist nur irgendwelche unbewussten Kompensationsstrategien. Wir finden sie, wenn wir uns unsere „Macken“ und „Laster“ anschauen: Rauchen, Alkohol, Sex, Shopping, „Drogen“, Spielen, Sport, Zucker, „spirituelle Praktiken“ usw., die Liste lässt sich ewig fortsetzen, und es lässt sich alles darauf finden.


Das bedeutet nicht, dass an diesen Dingen als solchen irgendetwas nicht in Ordnung oder „schlecht“ ist. Es bedeutet nur, dass unser Nervensystem sie an unserem freien Willen vorbei zur Regulierung unseres (oder besser „seines“) Stresslevels nutzt, weil es sich aus sich selbst heraus nicht selbst regulieren kann. Sprich: nicht von allein – autonom, automatisch und ohne unser Zutun – in einen gelassenen Zustand der Ruhe und Harmonie kommen kann. Und deswegen kann dann auch nicht ohne weiteres und von allein Frieden werden, weder in uns noch um uns herum. Und schon gar nicht dadurch, dass wir „unsere Gedanken ändern“, „uns nur mit Positivem beschäftigen“, „manifestieren, was wir uns wünschen“ und ähnlichen Dingen, die uns interessanterweise die „Inner Peace Industrie“ andient.


Die gute Nachricht ist: unser Nervensystem ist formbar. Lebenslang und unabhängig von unserem Alter. Es kann nachholen, was es – aus welchen Gründen auch immer – nicht gelernt hat, und es kann auch um- und neu lernen. Das gilt auch für unser autonomes Nervensystem. Deshalb können wir tatsächlich unsere eigene „Medizin“ für unser Nervensystem werden.


Wenn Du Dich näher dafür interessierst, lies gern unter neurosensorisches Training weiter.


Frieden zu erschaffen – in Dir, um Dich herum und mit Dir selbst als Werkzeug – kannst Du in einem meiner Seminare lernen. Ich habe es in Zusammenarbeit mit meiner Kollegin Dr. Barbara Deubzer aufgelegt. Wir bringen darin „Tohidu“ (den „Weg des Friedens“ nach Auffassung der amerikanischen Ureinwohner) und neurosensorisches Training zusammen – jenes Training, das unserem autonomen Nervensystem ermöglicht, seine Selbstregulationsfähigkeit zu verbessern und in uns, um uns herum und mit uns als Werkzeug Frieden zu machen. Frieden wird dann nur dadurch, dass es uns gibt. Kein Scherz.


Wenn Du also bereit bist für ein Abenteuer, klick einfach auf Frieden machen. Ich freue mich auf Dich!

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